Wir verbrennen in unseren Wohnzimmern Benzin aus den 70er Jahren

Wir verbrennen in unseren Wohnzimmern Benzin aus den 70er Jahren

Könnte es sein, dass sogenannt umweltfreundliche Holzöfen Giftstoffe der 70er Jahre freisetzen?

Wir alle werden von der Industrie mit der Behauptung bombardiert, dass Holzverbrennung eine saubere, grüne und erneuerbare Wärmequelle sei, die den Klimawandel verlangsamt.

Nun scheinen sich diese „ganz natürlichen“ Märchen doch noch aufzulösen. Wie im The Guardian ausführlich beschrieben, hat eine neue Studie der University of Massachusetts Amherst der Biomasseindustrie einen weiteren Dämpfer versetzt, indem sie aufdeckte, dass beim Verbrennen von Holz nicht nur Kohlenstoff freigesetzt, sondern die lokale Luft aktiv mit historischem Blei vergiftet wird.

Der Prozess ist einfach. Tödlich einfach.

Bäume funktionieren wie ökologische Schwämme, die nicht nur CO₂ aus der Atmosphäre, sondern auch giftige Schwermetalle aus verschmutztem Boden binden. Über Jahrzehnte hinweg haben Wälder als ökologische Senken fungiert und das Blei, das durch die industrielle Tätigkeit des 20. Jahrhunderts und verbleites Benzin zurückblieb, in ihrem Holz gebunden.

Blei, welches seit Jahren in Bäumen gebunden ist, wird durch die Holzverbrennung wieder freigesetzt

Verbrennt man dieses Holz jedoch, verdampft das gebundene Blei. Sowohl alte als auch moderne Holzöfen brennen heiss genug, um dieses Schwermetall in Rauch zu verwandeln, der in die Luft gelangt und Häuser sowie ganze Stadtviertel gefährdet.

Wenn die Luft abkühlt, kondensiert der Dampf und bindet sich an mikroskopisch kleine PM2,5-Russ- und Aschepartikel – Schadstoffe, die klein genug sind, um die natürlichen Filter des Atmungssystems zu umgehen.

Die Ofentür einen Spalt weit zu öffnen oder fröhlich Cervelats über einem Lagerfeuer zu bräteln genügt, um die Partikel einzuatmen. Dann dringen sie tief in die Lungenbläschen ein und gelangen direkt in Ihren Blutkreislauf und in Ihre Organe.

Blei ist ein starkes, kumulatives Nervengift.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt, dass es wirklich keinen sicheren Grenzwert für die Exposition des Menschen gibt. Einmal eingeatmet, verursacht es Zellentzündungen, irreversible neurologische Schäden und kognitiven Zerfall.

Verbleites Benzin wurde vor über 25 Jahren zu Recht verboten, nachdem die Industrie jahrzehntelang die Tatsachen verschleiert hatte. Doch nun hat die Biomasseindustrie in einem zynischen Staffellauf der Unternehmensbetrügerei den „Greenwashing“-Staffelstab die Verschleierungstaktik vom Benzinsektor einfach übernommen.

Die Altlasten bleiben bestehen.

In städtischen Gebieten kommt es im Winter nach wie vor regelmässig zu Spitzenwerten bei der Bleibelastung in der Luft. Während diese Verschmutzung früher auf die Verbrennung von mit alter Bleifarbe beschichtetem Altholz zurückgeführt wurde, weist die amerikanische Studie nun unbehandeltes Holz selbst als Verursacher aus.

Andere Forschungsergebnisse – darunter eine schwedische Studie aus dem Jahr 2003, die in mit Holz beheizten Häusern deutlich höhere Bleikonzentrationen feststellte als in solchen ohne Holzheizung – stimmen mit diesen Erkenntnissen überein und deuten darauf hin, dass die Beheizung von Wohnräumen mit Holz die Anwohner kontinuierlich giftiger Luft aussetzt.

Wir können es uns nicht länger leisten, grüne Energie ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der CO₂-Bilanz zu bewerten. Wahre Nachhaltigkeit erfordert eine umfassende toxikologische Bewertung. Die Politik muss die Strategien für saubere Luft unverzüglich aktualisieren, um die Schwermetallemissionen aus Biomasse zu berücksichtigen.

Ein Grund mehr und höchste Zeit, Anreize für die Holzverbrennung in Privathaushalten abzuschaffen und wirklich sauberen, nicht verbrennenden Heizalternativen Vorrang einzuräumen, um auch unsere langfristige neurologische Gesundheit zu schützen.

Mai 2026

Foto: Deutsches Ärzteblatt, November 2023 / Grafik: Created in BioRender. Henegan, P. (2026)

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