Entscheidungsträger der EU – Hände weg von der Natur!
Biodiverse, widerstandsfähige Ökosysteme sind die Grundpfeiler unseres Wohlstandes und unserer Wirtschaft. Doch die Artenvielfalt nimmt rapide ab.
Sechs von neun miteinander verbundene planetarische Grenzen, die die Widerstandsfähigkeit und Stabilität des Systems Erde regulieren, wurden überschritten. Jede überschrittene Grenze erhöht das Risiko großflächiger, abrupter Umweltveränderungen.
Auch sind wir kurz davor, die Kipppunkte zu erreichen, deren Überschreiten zu irreversiblen Folgen führen könnte.
Vor dem Hintergrund sich verschärfender Dürren, Waldbrände, Überschwemmungen und extremer Wetterereignisse erreichten die globalen Kohlenstoffemissionen im letzten Jahr einen Rekordwert. Waldbrände in Spanien und Portugal sorgen in diesem Jahr für die schlimmste Waldbrandsaison in der Geschichte der EU. Die natürlichen Kohlenstoffsenken unseres Planeten, die etwa die Hälfte aller vom Menschen verursachten Emissionen absorbieren, beginnen zu versagen.
Wir verfügen über das gesamte wissenschaftliche und technische Know-how sowie über die Mittel, um die größte Bedrohung abzuwenden, mit der unsere Spezies jemals konfrontiert war. Und wie gehen die europäischen Gesetzgeber mit diesem Problem um?
Vor sechs Jahren wurde der rote Teppich ausgerollt, um den Europäischen Grünen Kurs einzuläuten, der ehrgeizige und zeitgemäße Ziele zur Bewältigung dieser Krisen festlegte. Heute werden trotz wiederholter Warnungen von Wissenschaftlern sowohl der Teppich als auch der Deal wieder zurückgerollt.
Fangen wir bei der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) an. Das EU-Parlament und der Rat stimmten beide für einen Vorschlag der Kommission, der die Umweltwirksamkeit von 5 der 9 grundlegenden Umweltstandards zugunsten von Produktion und Erträgen schwächte.
Die Europäische Entwaldungsverordnung (EUDR), die zur Eindämmung der weltweiten Entwaldung geschaffen wurde, wurde abgeschwächt und verschoben.
Die erste Tierart, deren Schutzstatus im Rahmen der Berner Konvention und der Habitat-Richtlinie herabgestuft wurde, ist der Wolf. Er wird nicht der letzte sein.
Die rasche Ausweitung erneuerbarer Energiequellen (EEQ) droht Lebensräume und Böden zu schädigen und birgt die Gefahr einer Industrialisierung von Land und Wasser.
Die Verordnung über die nachhaltige Nutzung (SUR), die EU-weite Ziele für die Reduzierung von Pestiziden eingeführt hätte, wurde vom EU-Parlament abgelehnt, obwohl sie von über 6’000 Wissenschaftlern und 1 Million Bürgern unterstützt wurde.
Zu guter Letzt hat die Kommission die Richtlinie über umweltbezogene Angaben zurückgezogen, die dazu beigetragen hätte, die Verbreitung irreführender und unbestätigter umweltbezogener Marketingaussagen einzudämmen.
Diese Entscheidungen sind undemokratisch, unwissenschaftlich und basieren auf Fehlinformationen. Sie sind politisch motiviert und senden „höchst bedauerliche und widersprüchliche Signale an den Rest der Welt“.
Wir können Untätigkeit nicht als neue Normalität akzeptieren. Wir müssen unsere Stimme erheben, wenn Grundprinzipien und Gesetze heimlich geändert werden. Es hat Jahrzehnte gedauert, diese Gesetze zu schaffen. Jetzt werden sie stillschweigend wieder rückgängig gemacht.
August 2025
