Subventionierte Kahlschläge für „klimafitten Waldumbau“
Man nehme einen Wald. Man mache einen Kahlschlag. Man bepflanze ihn mit „klimaresistenten“ Arten. Und schwupps. Problem gelöst.
Das wollen uns zumindest einige Kantone weismachen. Tatsächlich bieten einige von ihnen Waldbesitzern grosszügige Subventionen an, um ihre bestehenden Wälder durch „verjüngte, an den Klimawandel angepasste Wälder“ zu ersetzen.
Die Burgergemeinde Bargen im Kanton Bern (Bild) hat die Herausforderung angenommen, einen Teil ihres Waldes gerodet und dafür 18’000 Franken erhalten. Doch damit nicht genug: Vorgesehen sind Subventionen für eine Fläche so gross wie 500 Fussballfelder, die rund um Bern gerodet werden (sollen), um mit der Schaffung „klimaangepasster“ Wälder zu experimentieren und „ihre Vitalität zu erhalten, um die von der Öffentlichkeit geforderten Waldleistungen langfristig zu gewährleisten.“
Wie umsichtig!
Allerdings hat die Sache einen kleinen Haken … beziehungsweise einen Holzwurm im Gebälk.
Natürliche Ökosysteme, seien es Feuchtgebiete oder Wälder, erhalten sich selbst. Sie sind selbstorganisierend, selbstregulierend und daher selbsterhaltend und bedürfen keines menschlichen Eingriffs.
Gepflanzte Wälder dagegen sind künstliche Systeme, bei denen diese natürlichen Prozesse unterbrochen wurden. Die spröden, freiliegenden Stämme der aufgeforsteten Bäume in ihren Plastik-Schutzgittern und der spröde, freiliegende Boden auf dem obigen Foto haben nichts mit dem komplexen Mischwald zu tun, den sie ersetzt haben. Darüber hinaus verursacht der Kahlschlag besonders hohe CO2– Emissionen, die selbst nach dem Holzschlag noch mehr als 20 Jahre lang andauern.
Wenn der gerodete Wald aus Laubholz bestand, wurde er ziemlich sicher verbrannt, denn zwei Drittel unserer wertvollen Laubhölzer lösen sich aktuell in Rauch auf.
Dennoch werden Abholzung und Kahlschlag jetzt vorgeschrieben, „um die Gesundheit der Wälder zu verbessern“ oder, um das neueste Schlagwort zu verwenden, „um die Widerstandsfähigkeit der Wälder angesichts des Klimawandels zu fördern“.
So etwas muss einem auch erst mal einfallen!
„Resilienz“ (Widerstandsfähigkeit) ist ein wissenschaftlicher Begriff, der einfach die Zeit bezeichnet, die ein Ökosystem benötigt, um nach einer Störung seine Struktur und Zusammensetzung (im Falle eines Waldes seine Mischung aus Baumgrössen, Alter und Arten) und seine Funktion (zum Beispiel seine Nährstoff-, Energie- und Kohlenstoffkreisläufe) wiederherzustellen.
Die Abholzung verringert die Widerstandsfähigkeit, aber der Kanton hört nicht auf die Wissenschaft, sondern auf die professionelle Forstwirtschaft und die Biomasseindustrie, die per Definition in erster Linie auf die Holzverwertung ausgerichtet sind. So werden wissenschaftliche Begriffe einfach umdefiniert.
August 2026
