Über Wald, Manipulation und Journalismus
Willkommen bei Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), wo intensive industrielle Abholzung ein gemütliches Slow-Journalismus-Tarnkleid erhält.
In einer rührenden, kürzlich ausgestrahlten Sendung schickt das SRF zwei Forstingenieure in die Basler Wälder, um dort als „Öko-Detektive“ zu agieren. Es ist eine Meisterleistung emotionaler Manipulation: Kettensägen als Rettungsmission darstellen, traurige Musik für durstige Buchen einspielen und die im Hintergrund dröhnenden Biomasse-Subventionen ignorieren. Das ist kein Journalismus, sondern Werbung für die Holzindustrie.
Hier ist die unverfälschte, wissenschaftlich fundierte Widerlegung dieser Darstellung, ohne den PR-Filter:
Zur Mogelpackung Waldverlust: Die Sendung macht den Klimawandel allein für den Rückgang des Holzbestands im Hardwald verantwortlich (von 300 m³/ha auf 180 m³/ha über 15 Jahre). Aber Bäume verschwinden nicht von selbst. Maschinen haben diese fehlenden 120 m³/ha entfernt. In der gesamten Jura-Region zeigen offizielle Daten nun, dass die gesamte Holzentnahme (Ernte + Absterben) das natürliche Nachwachsen um sagenhafte 124,2 % übersteigt (siehe Seite 61). Die Schuld für den Rückgang des Baumkronendachs allein dem Klima zuzuschreiben, verlagert die Verantwortung von der aktiven Holzwirtschaft auf die globale Erwärmung.
Zum Aufheizen des Mikroklimas: Die „Experten“ schlagen begeistert vor, „klimaresistente“ Eichen und Kiefern zu fördern, um 140 Jahre alte Buchen zu ersetzen. Doch um einen alten Wald zu ersetzen, muss man ihn erst einmal abholzen. Alte Wälder sorgen für ein kühles, feuchtes Mikroklima. Ihre Rodung zerstört den Schatten des Baumkronendachs und vernichtet die Mykorrhiza-Netzwerke im Boden, wodurch Licht, Wärme und Wind eindringen können – was die lokale Trockenheit in einem Land, das sich doppelt so schnell erwärmt wie der globale Durchschnitt, noch mehr beschleunigt.
Zum Greenwashing der Kohlenstoff-Schuld: SRF verschweigt, wohin dieses Holz gelangt: nämlich direkt in Biomasseöfen. Im Jahr 2024 wurden erstaunliche 44 % des geernteten Schweizer Holzes direkt zur Energiegewinnung verbrannt – darunter 75 % aller gefällten Laubbäume. Die Verbrennung von Holz setzt pro Energieeinheit mehr CO₂ frei als Kohle, Oel und Gas. Die Verbrennung massiver Buchen gibt den gespeicherten Kohlenstoff sofort an die Atmosphäre ab und verursacht eine erhebliche Kohlenstoffschuld, deren Tilgung 80 bis über 100 Jahre dauert.
Zum Verspielen des Schweizer Vorsprungs: Eine wegweisende Studie aus dem Jahr 2026 zeigt, dass 94 % der europäischen Wälder starr und einheitlich strukturiert sind. Die Schweiz verfügt über die vielfältigste Ausgangsbasis des Kontinents, wobei sich die Anteile der Monokulturen auf 35,8 % beschränken (im Vergleich zu 79,9 % in Spanien). Der Ersatz alter, artenreicher Wälder durch einheitliche Reihen „hitzebeständiger“ Pflanzen ist lediglich eine Übernahme des gescheiterten europäischen Forstmodells und beraubt das Land seines ökologischen Vorsprungs.
Zum Kollaps des Ökosystems: Die Sendung stellt den Verlust alter Bäume als Normalität dar und ignoriert dabei völlig die verheerenden ökologischen Folgen. Laut einer weiteren Studie, die diesen Monat veröffentlicht wurde, sind grosse, alternde Bäume DAS Lebenselixier der Waldbiodiversität: Sie sichern direkt den Lebensraum für holzabhängige Käfergemeinschaften und schaffen wichtige Brutstätten für Arten wie den Weissrückenspecht. Indem das SRF die Entfernung dieser riesigen Altbäume als Waldpflege darstellt, verschleiert es die Tatsache, dass eine bewirtschaftete, junge Baumkultur die Nahrungskette unterbricht und das gesamte Ökosystem zum Erliegen bringt.
Dies ist eine wirtschaftlich motivierte Liquidation von altem Waldkapital, als Umweltschutz getarnt. Wenn wir diese etablierten Buchenwälder abholzen, verlieren wir nicht nur alte Bäume – wir opfern die Widerstandsfähigkeit des Ökosystems, vernichten die Artenvielfalt und untergraben unsere tatsächliche Fähigkeit, den Klimawandel zu bekämpfen, denn 82% der Waldstörungen werden durch Abholzung und Landnutzung verursacht.
Sind dies unsere öffentlichen Medien? Anstatt unkritische Unternehmens-PR zu verbreiten, haben Journalisten die Pflicht, die Daten zu hinterfragen, die Narrative der Industrie anzuzweifeln und die objektive Wahrheit zu liefern, die die Schweizer Öffentlichkeit verdient und auch bezahlt,.
Juni 2026
