Heizen mit Holz – offiziell krebserregend

Heizen mit Holz – offiziell krebserregend

Seit seiner Einführung im Jahr 1987 durch die Europäische Kommission und die Internationale Agentur für Krebsforschung bietet der Europäische Kodex gegen Krebs (ECAC) den Bürgern evidenzbasierte Empfehlungen zur Gestaltung ihrer eigenen Gesundheit.

Die von 60 europäischen Experten entwickelte 5. Auflage (ECAC5) listet 14 Möglichkeiten zur Krebsprävention auf, darunter auch die Bekämpfung der Luftverschmutzung.

Die Aktualisierung von 2026 geht über den bisherigen Schwerpunkt auf individuelle Lebensstilentscheidungen hinaus und fordert die Regierungen offiziell dazu auf, die systemischen Veränderungen und gesetzlichen Schutzmassnahmen umzusetzen, die zur Beseitigung von Umweltkarzinogenen erforderlich sind. Der Einzelne hat nur beschränkt Einfluss auf die Luft, die er atmet.

Wie ein Artikel im „The Guardian“ berichtet, sind die wissenschaftlichen Belege für diesen Wandel überzeugend: Schätzungsweise 28’000 Lungenkrebsfälle in Europa pro Jahr werden mittlerweile auf Feinstaub zurückgeführt, unter anderem aufgrund der zunehmenden Verbrennung von Biomasse.

Gerade weil Holzfeuer oft unter dem Gesichtspunkt der Freizeitgestaltung oder Ästhetik betrachtet werden, tragen sie massgeblich zu dieser Schadstoffbelastung bei und sind eine wichtige Quelle für Schadstoffe in Innenräumen und im Freien. Die Beweislage bringt diese Emissionen zunehmend nicht nur mit Lungenkrebs, sondern auch mit Blasen-, Nieren- und Hirntumoren in Verbindung.

Die Einhaltung der Luftqualitätsrichtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnte die Sterblichkeit durch Lungenkrebs um mehr als 10 % senken, glauben die Experten. Um diese Ziele zu erreichen, sind grundlegende strukturelle Reformen erforderlich, darunter:

  • Ausstieg aus Holz und Kohle: Als direkte Reaktion auf den zunehmenden Trend zur Holzverbrennung – der die übrigen Erfolge im Bereich der Luftqualität zunichte macht– fordern die Experten die Regierungen ausdrücklich dazu auf, von der Nutzung fester Brennstoffe zum Heizen, Kochen und in der Freizeit abzuraten und schliesslich ganz davon wegzukommen.
  • Anreize zur Dekarbonisierung: Um diesen Übergang zu erleichtern, sind wirksame Anreize für die Installation umweltfreundlicher Energiesysteme in Haushalten erforderlich, wie beispielsweise Wärmepumpen, Solarenergie und Geothermie, wodurch die Last der Wärmeerzeugung effektiv von der schädlichen Verbrennung weg verlagert wird.
  • Schutz gefährdeter Gruppen: Da sich Holzrauch in Wohngebieten konzentriert, drängen die Experten darauf, dass Schulen und Pflegeheime mit hochwertigen Raumluftfiltern ausgestattet werden, um die Luft von gefährlichen Partikeln zu reinigen.
  • Ausstieg aus der Verbrennung zur Energieerzeugung: Die Expertengruppe fordert einen vollständigen Ausstieg aus der Verbrennung zur Stromerzeugung und Heizung in der gesamten EU, einschließlich der Nutzung von Biomasse, die zwar als „grün“ dargestellt wird, aber dennoch eine bedeutende Quelle krebserregender Feinstaubpartikel darstellt.

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass zwar jeder Einzelne persönliche Vorsichtsmassnahmen ergreifen sollte – wie zum Beispiel das Rauchen in den eigenen vier Wänden zu vermeiden –, eine deutliche Senkung der Krebsinzidenz jedoch gesetzgeberische Massnahmen erfordert. Es reicht nicht mehr aus, den Bürgern Ratschläge zum Atmen zu geben; die Regierungen müssen nun die notwendigen Infrastruktur- und Energiewenden umsetzen, um sicherzustellen, dass die Luft von vornherein sauber ist.

Datenschutz akzeptieren

Diese Website benutzt Cookies und JavaScript. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.