Hält nicht, was es verspricht – das EU-Zertifizierungssystem für Kohlenstoffentfernung
Laut einem aufschlussreichen Webinar, das von Martin Pigeon von FERN mitveranstaltet wurde, war die Verbrennung von Biomasse im Jahr 2022 für 15,7 % der gesamten Treibhausgasemissionen der EU verantwortlich, was mit den Emissionen Deutschlands vergleichbar ist.
Dank geschickten Buchhaltungstricks der Renewable Energy Directive (RED) der Europäischen Komission wurden diese Emissionen als Null gewertet.
Während die Emissionen aus Biomasse stark angestiegen sind, sind die CO2-Senken der Wälder in der EU geschrumpft (um mehr als einen Viertel in den letzten 20 Jahren), untergraben durch die RED-Kriterien, die stehende Wälder in „Reststoffe” verwandeln, sobald sie ihre wirtschaftliche Bedeutung verlieren. Es ist eine zirkuläre Logik: Wenn der Wald billig genug ist, um verbrannt zu werden, wird er rechtlich gesehen zu „Abfall” – selbst wenn er vor einer Stunde noch eine wichtige Kohlenstoffsenke war.
Die RED wurde in einem Sitzungssaal geboren und nicht praxistauglich.
Das neueste Produkt politischen Kuhhandels ist die CRCF. Ein weiteres Akronym. Ein weiterer undurchsichtiger EU-Rechtsrahmen, der mit dem vorrangigen Ziel geschaffen wurde, der EU zu helfen, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen und Greenwashing durch die Festlegung einer gemeinsamen europäischen Norm zu verhindern.

Das Carbon Removal Certification Framework (CRCF), das sich auf viele Klimapolitik-Strategien in der EU sowie auf die nationalen Kohlenstoffziele der Mitgliedstaaten auswirkt, entstand aus der ernüchternden Erkenntnis, dass die Dekarbonisierung allein nicht ausreichen wird, um unsere Klimaziele zu erreichen. Kohlenstoff muss auch aus der Atmosphäre entfernt und irgendwie gespeichert werden – ausser Sichtweite, ausserhalb unseres Bewusstseins …und unserer Erinnerung.
Mit CRCF werden drei Arten von Aktivitäten zum Kohlenstoffausgleich zertifiziert:
- Kohlenstoffanbau (Landbewirtschaftungspraktiken)
- Kohlenstoffspeicherung in Produkten (hauptsächlich Holz in Gebäuden)
- Permanente Kohlenstoffentfernung (z. B. durch direkte Luftabscheidung (DACCS), oder Bioenergie mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung ( BECCS/BioCCS)
Das offensichtlichste Problem ist die Freiwilligkeit des CRCF. Unternehmen können nicht gezwungen werden, diese Standards zu übernehmen, aber sie können die CRCF-Zertifizierung nutzen, um nachhaltig zu erscheinen, während sie wie gewohnt weiterhin emissionsintensive Biomasse verbrennen.
Die Akteure der Branche sind besonders an einer dauerhaften Kohlenstoffentfernung interessiert, aber das viel gepriesene BECCS/BioCCS funktioniert noch nicht und DACCS ist unglaublich teuer.
Hier kommt Biokohle ins Spiel.
Biokohle ist pyrolysierte Biomasse. Mit anderen Worten: Holzkohlepulver. Biokohle ist billig und einfach herzustellen und gilt als Fast Food der Kohlenstoffentfernung. Trotz ihrer Anfälligkeit für biotische und abiotische Erosion wurde sie zu einem „dauerhaften“ Mittel hochgejubelt. Es handelt sich um einen weiteren Taschenspielertrick: Ein temporärer Bodenzusatzstoff wird als dauerhafte Entfernung bezeichnet, um die Schornsteine weiter rauchen zu lassen.
Biokohle verschlingt derzeit 80 bis 90 % der „dauerhaften“ Kohlenstoffgutschriften auf freiwilligen Märkten. Aber Bequemlichkeit hat ihren Preis. Es fehlen strenge landwirtschaftliche Versuche, um ihre Sicherheit zu bestätigen, und während die EU Biokohle für CRCF-Gutschriften importiert, bleibt die Holzkohleproduktion eine globale Ursache für Entwaldung (7 %), die Hauptursache in Afrika.
In seiner Eile, Biokohle zu zertifizieren, hat das CRCF marktfähige Zertifikate gegenüber einer wissenschaftlichen Vorsicht priorisiert.
Beim CRCF geht es weniger um die Kohlenstoffbindung als vielmehr um die Erlangung von Subventionen, um die RED-Zahlungen für die Bioenergiebranche am Laufen zu halten und ihre Öfen weiter brennen zu lassen.
Foto: Die weltweit erste industrielle Anlage zur Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre vom Schweizer Unternehmen Climeworks steht in Hinwil /Zürich © Keystone / Gaetan Bally
Februar, 2026
