Fernwärme durch Biomasse-Kraftwerke – das Greenwashing der Schweiz

Fernwärme durch Biomasse-Kraftwerke – das Greenwashing der Schweiz

Auf der Karte der Schweizer Wärmenetze sieht man das ganze Land mit einem beruhigend grünen Band überzogen, das sich über das zentrale Plateau von Genf im Südwesten bis zum Bodensee im Nordosten erstreckt. 

Wärmenetze liefern Wärmeenergie in Form von Wasser oder Dampf, die in einem zentralen Kraftwerk erzeugt wird, über ein System von unterirdischen Rohrleitungen an eine Reihe von separaten Gebäuden. Dazu gehören Fernwärme-, Nahwärme- und sogar Fernkältenetze. Die Leistung reicht von 100 kW bis über 1 GW, und obwohl nur 43 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden, zeichnen sich diese Systeme laut offiziellen Angaben vor allem durch ihre „geringen CO2-Emissionen” aus. Die Schweiz setzt auf sie, um das Ziel Netto-Null (ZERO) und die Energieunabhängigkeit zu erreichen.

Diese Ziele sind jedoch mit Kosten und Kontroversen verbunden:

Wärmenetze sind mit exorbitanten Anschluss-, Bau- und Wartungsgebühren verbunden, die an die Verbraucher weitergegeben werden. Die Verlegung von unterirdischen Rohrleitungen führt unter Umständen dazu, dass Straßen und Wohngebiete aufgerissen und gestört werden. Kritiker beklagen außerdem mangelnde Transparenz, lokale Monopole, die Verbraucher daran hindern, den Anbieter zu wechseln, sowie die Tatsache, dass viele Netze mit Gas und Energie aus Abfall betrieben werden, was die ökologischen Argumente untergräbt.

Trotzdem stieg der Fernwärmeverbrauch im Jahr 2024 um 9,2 %, und die derzeit rund 1.400 Netze (etwa 9 TWh) werden sich bis 2050 voraussichtlich verdoppeln (auf 18 TWh), um bis Mitte des Jahrhunderts 40 % des gesamten Warmwasser- und Wärmebedarfs zu decken.

Ein zweiter Blick auf die Karte zeigt ein weiteres Problem:

Der überwiegende Anteil an Grün stammt aus holziger Biomasse- (hellgrün) und Biogas- (dunkelgrün) Anlagen, die zusammen etwa 70% der Gesamtmenge ausmachen. Während Biomasseanlagen zwar zahlenmäßig dominieren, werden 40 % der Wärme von Abfall-Verbrennungs-Anlagen geliefert (die aber ebenfalls bis zu 33 % Holz verbrennen). Wenn sich das thermische Netz der Schweiz bis Mitte des Jahrhunderts verdoppeln soll, werden wahrscheinlich viele der Neuzugänge mit Biomasse betrieben werden. Doch bereits heute stammen 85 % der Biomasse aus Holz. Damit ist das Potenzial des Landes an holziger Biomasse bereits weitgehend ausgeschöpft oder sogar überschritten, wie beispielsweise im Kanton Zürich.

Im Jahr 2024 wurden 75 % aller geernteten Laubhölzer verbrannt. Der Verbrauch von Holzhackschnitzeln ist dank des schnell wachsenden Netzwerks gegenüber 2023 um 3 % gestiegen, wobei die Nachfrage vor allem in den Alpen (+8 %) zunahm, aber auch im Jura (+5 %) und in den Voralpen (+1 %), wie aus einer Pressemitteilung des Bundesamtes für Umwelt hervorgeht.

Nur ein winziger Bruchteil der Holzbiomasse kann nachhaltig geerntet werden, und dieser Bruchteil sollte als Ersatz für fossile Brennstoffe in industriellen Hochtemperaturprozessen verwendet werden. Es ist Irrsinn, wertvolle Harthölzer und ganze Stämme zur Beheizung von Häusern zu verbrennen, wie das aktuell geschieht. Dem intrinsischen Wert des Waldes (Biodiversität, Kohlenstoffsenke, Trinkwasserspeicher) muss klar Vorrang vor rein wirtschaftlichen oder energieproduzierenden Aspekten eingeräumt werden. Wenn wir dies nicht tun, laufen wir Gefahr, die gleichen Fehler zu wiederholen, die wir bei fossilen Brennstoffen gemacht haben.

Wenn die Schweiz ihre Bioenergienutzung ohne diese Rücksicht ausweitet, wird ihr Netz angeblich grüner thermischer Energiesysteme zu noch mehr Umweltproblemen und erhöhter Umweltverschmutzung führen statt zu Gesundheit und Nachhaltigkeit. Wir Menschen werden dann quasi grün im Gesicht.

Januar 2026

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