Überschwemmungen und Abholzung in Indonesien
Die Überschwemmungen und Erdrutsche, die Indonesien Ende November heimgesucht haben, kamen nicht aus heiterem Himmel, sondern sind das Ergebnis einer jahrzehntelangen ökologischen Krise. Sie zerstörten über 100.000 Häuser und unzählige andere Gebäude und Infrastrukturen und machten rund 1,2 Millionen Menschen obdachlos. Bis am Montag, 15. Dezember forderten sie laut Reuters 1.030 Menschenleben, 206 Menschen werden noch vermisst.
Sie könnten auch das Ende für den seltensten Primaten der Welt bedeuten, den Tapanuli-Orang-Utan. Laut The Guardian lebten weniger als 800 dieser vom Aussterben bedrohten Menschenaffen noch in freier Wildbahn, aber bis zu 54 von ihnen sind vermutlich in den Überschwemmungen ums Leben gekommen. Die Anzahl getöteter Tiere könnte zum Aussterben der Art führen.
Unzählige andere wilde und domestizierte Tiere wurden mit den Wassermassen weggerissen. Die Regierung machte schnell ein „äußerst seltenes“ Wetterphänomen dafür verantwortlich, bis Bilder von aufgetürmten Baumstämmen und Holz in den sozialen Medien viral gingen. Daraufhin versprach sie umgehend, die Holzschlagsgenehmigungen zu überprüfen, die Waldbewirtschaftung zu überarbeiten und mögliche Verstöße strafrechtlich zu verfolgen.
Der Mensch hatte ganz sicher einen Anteil an dieser Tragödie.
Die Monsunregenfälle und der Zyklon Senyar, der sich über der Straße von Malakka zusammenbraute, brachten in nur vier Tagen über 1.000 mm Niederschlag. World Weather Attribution hat berechnet, dass diese extremen Niederschläge „im heutigen Klima etwa einem Ereignis entsprechen, das einmal in 70 Jahren auftritt” und dass die Niederschlagsintensität in diesem Gebiet aufgrund des anthropogenen Klimawandels um 9- 50 % zugenommen hat.
Abholzung, schlechte Waldbewirtschaftung, illegale Abholzung und Bergbau, Zellstoffholzplantagen und die rasche Ausbreitung von Palmölplantagen trugen zur Verschärfung der Lage bei.
Die Insel Sumatra hat seit 2001 rund 4,4 Millionen Hektar Wald verloren. In den von Überschwemmungen betroffenen Gebieten von Aceh, Nordsumatra und Westsumatra wurden zwischen 2016 und 2025 rund 1,4 Millionen Hektar Wald abgeholzt. Es überrascht nicht, dass laut dem Indonesischen Umweltforum (Walhi) die am stärksten betroffenen Gebiete degradierte Wassereinzugsgebiete waren. Walhi warnt außerdem, dass zwischen 1990 und 2014 rund 158.000 ha Wald für Palmölplantagen gerodet wurden.
Indonesien ist der weltweit größte Exporteur von Palmöl, und Sumatra produziert mehr Palmöl als jede andere indonesische Insel. Die Ausweitung der Plantagen hat in den letzten 20 Jahren zum Verlust von einem Drittel der alten Wälder des Landes geführt. China, Indien und Europa sind die größten Importeure von Palmöl, das als Biodiesel, in Lebensmitteln und in der oleochemischen Industrie verwendet wird. Auch der Inlandsverbrauch steigt.
Überschwemmungen, Stürme und sintflutartige Regenfälle, die durch die globale Erwärmung verstärkt werden, nehmen in Europa an Intensität zu. Im Jahr 2024 waren 413.000 Menschen und fast ein Drittel des Flussnetzes des Kontinents davon betroffen. Diese Überschwemmungen sind nicht nur „Naturkatastrophen”, sondern auch eine ökologische Krise, die sich über Jahre hinweg entwickelt hat.
Zuerst fördert die Abholzung zusammen mit anderem die Klimaerwärmung. Dann sind wegen der Abholzung Mensch und Tier den extremen Klimaereignissen (sintflutartige Regenfälle, Überschwemmungen, Erdrutsche, Dürre, Trockenheit, Hitze…) umso schutzloser ausgeliefert. Und dennoch werden weltweit weiterhin Wälder kahlgeschlagen.
Allein Indonesien plant, 20 Millionen Hektar Wald für die Nahrungsmittel- und Energiegewinnung zu roden.
Dezember 2025
Photo: Walhi
